Orthese: Bedeutung, Nutzen & Arten

Orthesen sind medizinische Hilfsmittel, die als äußerer Kraftträger zur Unterstützung, Entlastung oder Stellungskorrektur eines Körperteils eingesetzt wird. Dabei wird das betroffene Körperteil in seiner mechanischen Funktion unterstützt, aber im Gegensatz zu einer Prothese nicht ersetzt.

Auf einen Blick: Was ist eine Orthese?

Orthesen werden häufig nach Sportverletzungen eingesetzt, um die betroffene Stelle zu unterstützen. Dafür umschließen sie ein Körperteil, um es zu entlasten, zu stützen, ruhig zu stellen und zu fixieren.

Das lädierte Körperteil kann nur noch eingeschränkt – oder gar nicht – bewegt werden. Dadurch wird der Heilungsprozess der lädierten Stelle positiv beeinflusst.

Orthese: Bedeutung und Nutzen

Das Wort “Orthese” leitet sich von “orthos” ab, was so viel wie richtig, echt, aufrecht bedeutet. Die orthopädietechnischen Hilfsmittel finden ihren Einsatz vorwiegend in der Orthopädie. Das ist jenes Gebiet der Medizin, das sich mit “der Lehre des aufrechten Ganges” beschäftigt. Im weitesten Sinne ist natürlich der gesamte Bewegungsapparat eingeschlossen.

Während Prothesen fehlende Körperteile funktional ersetzen und Epithesen eine optische Korrektur übernehmen, unterstützt eine Orthese die mechanische Funktion eines vorhandenen Körperteils.

Was sind Orthesen

Orthesen stützen vor allem Gelenke und lindern Schmerzen durch gezielte Lenkung der mechanischen Bewegung.

Ein Beispiel: Etwa 40 % der Deutschen leiden unter Beschwerden des Bewegungsapparates (1). Dabei sind Erkrankungen von Muskeln, Knochen, Gelenken, Sehnen und Bändern die wichtigste Ursache von anhaltenden Schmerzen und Funktionseinschränkungen.

Die Grundlage der Behandlung dieser Beschwerden liegt in der Orthopädie. Orthopädische Schuheinlagen, Bandagen und Orthesen helfen bei der Linderung von Schmerzen und stellen die Mobilität der Patienten wieder her.

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Funktion und Einsatzbereich von Orthesen

Das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung (HMV) definiert Orthesen folgendermaßen:

“Orthesen sind funktionssichernde, körperumschließende oder körperanliegende Hilfsmittel, die von ihrer physikalischen/mechanischen Wirkung her konstruktiv stabilisieren, immobilisieren, mobilisieren, entlasten, korrigieren, retinieren, fixieren, redressieren und ausgefallene Körperfunktionen ersetzen.”

Die Hilfsmittel kommen also in folgenden Fällen zum Einsatz:

  • Verbesserung der neuromuskulären Stabilisierung der Gelenke
  • Reduktion von Schmerzen, Ödemen und Ergüssen
  • Schnellere Regeneration von Bindegewebe und Bandapparat
  • Ruhigstellung und Entlastung nach akuten Verletzungen
  • Stabilisierung von geschädigten Gelenken, Knochen bzw. Körperteilen
  • Gezielte Führung und Korrektur von Fehlstellungen oder -haltungen
    Unterstützung bei der Behandlung körperlicher Schäden

Grundsätzlich funktionieren Orthesen nach dem Hebelgesetz: Sie nutzen die Hebelwirkung, um gezielt Kräfte auf das betroffene Körperteil auszuüben oder dieses zu entlasten. Damit können Fehlstellungen korrigiert, Belastungen reduziert oder Bewegungen gesteuert werden.

Eine Knieorthese kann beispielsweise durch eine längere Strebe am Bein (als Hebelarm) die Kraft, die auf das Kniegelenk wirkt, reduzieren. So werden Schmerzen beim Gehen gelindert.

Einsatzbereiche von Orthesen

Durch eine Orthese können z. B. Schmerzen beim Gehen gelindert werden.

Zu den häufigsten Einsatzgebieten von orthopädischen Hilfsmitteln gehören: Schulter, Wirbelsäule, Hand, Ellenbogen, Unterschenkel, Sprunggelenk, Fuß und Knie. Recht bekannt ist beispielsweise die Hallux valgus Schiene, die ebenfalls eine Orthese ist.

 

Welche Aufgaben übernimmt eine Orthese?

Neben der Reduktion von Schmerzen und der Stabilisierung von betroffenen Körperteilen übernimmt eine Orthese auch weitere Aufgaben. Dabei geht es primär um die Vorbeugung chronischer Schäden:

  • Vorbeugung und Reduktion von Fehlstellungen
  • gezielte Steuerung oder Unterstützung der Beweglichkeit von Gelenken
  • Längenausgleich bei Beinlängendifferenz
  • Kompensation schlaffer Lähmungen
  • Kontrolle spastischer Lähmungen
  • Umverteilung und Reduktion von Belastungen auf Gewebe
  • Verhinderung von selbstverletzendem Verhalten

 

Wann kommt eine Orthese zum Einsatz?

Das Hilfsmittel wird immer dann eingesetzt, wenn Beschwerden auftreten, die Ruhe und Stabilität zur Heilung benötigen. Das können beispielsweise die folgenden sein:

  • Plötzlich auftretende, akute Schmerzen nach einer Verletzung
  • Chronisch bedingte, langjährige Erkrankungen
  • Bereits von Geburt an bestehende körperliche Schäden und/oder Lähmungen, z. B. Fehlbildungen von Fuß, Hüfte oder Wirbelsäule (z. B. Beckenschiefstand oder Skoliose)

In der Regel werden Orthesen nur temporär oder während eines bestimmten Lebensabschnittes getragen. Einige Modelle sind etwa in der Wachstumsphase notwendig, um Fehlbildungen vorzubeugen. Auch bei Erscheinungen von Verschleiß im Alter sowie bei lebenslangen und angeborenen Fehlbildungen kommen sie zum Einsatz.

Auch als vorbeugende Maßnahme werden sie oft im Breiten- und Leistungssport verwendet, um Bänder und Sehnen zu schonen. Beachten Sie, dass Sie sich trotzdem mit einem Spezialisten beraten sollten, um eine gesunde Lösung zu finden!

Wichtig ist, dass die orthopädischen Hilfsmittel – vor allem solche mit Korrekturfunktion – stetig an den Fortschritt der Heilung und Behandlung angepasst werden. Auch körperliche Veränderungen wie Gewichtszunahme oder -abnahme und Wassereinlagerungen müssen berücksichtigt werden.

Aufbau und Material: Welche Arten von Orthesen gibt es?

Orthesen setzen sich in der Regel aus mehreren Komponenten zusammen. Dabei bildet der Orthesenkörper den eigentlichen Funktionsträger. Er ist gepolstert und mit Verschlüssen versehen, hat oft Gelenke und Zugeinrichtungen.

Aufbau von Orthesen-Gelenk

Orthesen können durch flexible Verschlüsse und Gelenke das betroffene Körperteil optimal stützen.

Es wird unterschieden zwischen konfektionierten Orthesen, die in der Masse hergestellt werden und eine kurze Einsatzdauer haben, und teilkonfektionierten oder individuell gefertigten Orthesen.

Damit sie das geschädigte Körperteil bestmöglich stabilisieren, sind Orthesen meist komplex konstruiert. Typische Bestandteile sind elastische Einsätze sowie Funktionselemente wie Zügel, Bügel, Pelotten oder Gelenke.

Ziel ist die selektive Begrenzung der Bewegungsfreiheit, was durch die festeren Materialien der Orthese effektiver erreicht wird als durch Bandagen.

Neben individuell handgefertigten Orthesen gibt es auch industriell gefertigte Produkte, die ihrem Zweck gerecht werden. Trotzdem sollten Sie auch diese zuerst von einem Experten an Ihren Körper anpassen lassen. Dadurch werden Druckstellen (und damit verbundene weitere Schmerzen) vermieden.

Für die Herstellung werden häufig Materialien verwendet wie:

  • Kunststoff
  • Holz
  • Kork
  • Leder
  • Filz
  • Stoffe
  • Metalle

Wie wird eine Orthese richtig getragen?

Damit die richtige Wirkung erzielt werden kann, wird eine Orthese grundsätzlich eng am Körper getragen. Nur so kann die erforderliche Stabilität und Sicherheit für das betroffene Körperteil erlangt werden.

Orthesen Bedeutung, Nutzung & Arten

Orthesen werden am besten eng am betroffenen Körperteil getragen.

Zu beachten ist dennoch, dass sie nicht dauerhaft direkt auf der nackten Haut getragen werden sollte. Sonst können unangenehme Druckstellen und Reizungen durch Schweiß, Druck und Reibung entstehen. Achten Sie am besten darauf, eine dünne Stoffschicht zwischen Orthese und Haut zu tragen.

Modelle mit starker Druckausübung sollten Sie nachts ablegen. Ansonsten riskieren Sie einen Blutstau, der weitere Probleme mit sich bringt.

Reguläre Orthesen sind aber dafür gemacht, auch nachts getragen zu werden. Dadurch wird sichergestellt, dass Sie die verletzte Region im Schlaf nicht unbewusst belasten. Besprechen Sie sich diesbezüglich aber unbedingt mit Ihrem Orthopäden!

 

Was tun, wenn eine Orthese nicht (mehr) passt?

Es kann natürlich vorkommen, dass aufgrund von Veränderungen des Gewichts oder durch andere Einflüsse eine Orthese irgendwann nicht mehr so gut passt. Achten Sie auf die folgenden Hinweise:

  • Rötungen
  • Schwellungen
  • Schmerzen
  • Temperaturveränderungen der Haut

Trifft einer oder mehrere dieser Punkte auf Sie zu, sollten Sie Ihr Hilfsmittel neu einstellen lassen. Wenden Sie sich dazu an Ihren Orthopäden oder eine Fachkraft im Sanitätsfachhandel.

Wie entsteht die passende Orthese?

Grundsätzlich wird eine Orthese von Orthopädie-Technikern angefertigt. Dabei wird in Handarbeit eine individuelle Lösung für Sie gefunden.

Fertigung von Orthesen

Eine individuelle Orthese entsteht in professioneller Handarbeit.

Der Entstehungsprozess einer Orthese kann wie folgt ablaufen:

  1. Zuerst wird ein Gipsabdruck genommen.
  2. Anhand des Abdrucks wird die Orthese gefertigt.
  3. Eine Fachkraft zeigt Ihnen, wie die Orthese richtig angelegt wird.
  4. Die Orthese wird bei Bedarf nachgerichtet und/oder zusätzlich gepolstert.

 

Die folgenden Möglichkeiten zur Anpassung an die individuelle Anatomie der Patienten stehen zur Verfügung:

  • Anpassung der Gurte
  • Verstellbare Klettverschlüsse
  • Einsätze aus elastischem Material
  • Zuschneiden von Kanten
  • Thermoplastische Anpassung von Kunststoff oder Metallteilen

Wer übernimmt welche Kosten für die Orthese?

Eine Orthese wird in der Regel von Ihrem Arzt als Heilmittel verordnet. Unter Vorlage dieser Verordnung übernimmt die Krankenkasse in der Regel die anfallenden Kosten.

Achtung: Spezialanfertigung oder besondere Ausstattungen – ohne ärztliche Begründung – zählen nicht zur Grundversorgung. Das heißt, diese Modelle werden meist auch nicht voll erstattet.

Erkundigen Sie sich diesbezüglich am besten vor dem Kauf der Orthese bei Ihrem Orthopäden und einem Berater Ihrer Krankenkasse. Hier kann es nicht schaden, wenn Sie sich die Auskünfte schriftlich geben lassen.

Rudolf Forster

Geschäftsführer Forster Schuh- & Orthopädietechnik

Rudolf Forster ist Geschäftsführer und seines Zeichens Meister für Orthopädieschuhtechnik. Ein hoher Qualitätsstandard und absolute Kundenzufriedenheit sind für ihn genauso wichtig wie die Fachkompetenz und Zufriedenheit seiner Mitarbeiter/innen.

Bildquelle: Titelbild  ©dark_blade – stock.adobe.com (Datei-Nr.: 553685288)

 

Quellen

(1) Vgl. “Steigende Lebensqualität durch weniger Schmerz und mehr Mobilität”. Repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von eurocom e. V., 2019.

(2) eurocom e. V. (2023, März). Handbuch Orthesen [PDF]. eurocom. Verfügbar unter https://www.ortho-reha-neuhof.de/wp-content/uploads/2023/03/eurocom_Orthesenhandbuch.pdf

(3) Gutsfeld, P., Simmel, S., Benning, E., Brand, A., & Augat, P. (2016): Orthesen in der Unfallchirurgie. Trauma und Berufskrankheit, 18(2), 116–124. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/s10039‑016‑0164‑3

(4) Specht, J., Schmitt, M., Pfeil, J. (2008): Technische Orthopädie. Orthesen und Schuhzurichtungen. Springer-Verlag.

(5) Assmus, H. (2003): Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Georg Thieme Verlag.